{"id":1834,"date":"2016-07-18T19:37:26","date_gmt":"2016-07-18T19:37:26","guid":{"rendered":"http:\/\/ngoberuhldingen.de\/?page_id=1834"},"modified":"2016-07-23T05:58:19","modified_gmt":"2016-07-23T05:58:19","slug":"chronik-1922-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ngoberuhldingen.de\/?page_id=1834","title":{"rendered":"Abschrift des Narrenbuchs zum Jahr 1922"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Alle die hier unterzeichnen, haben freien Zutritt zum Umzug und Aufstellung des Narrenbaumes am schmutzigen Dunschtig im Zentrum hiesiger Stadt um 4 Uhr mit Musik und bengalischer Beleuchtung. P\u00fcnktlich von 17 Uhr 1 Minute ab der neuen verkehrten Welt, findet das klettern des Narrenbaumes und in Empfang nehmen der Gaben am Dolden statt. Das Besteigen des Narrenbaumes ist nur mit Hosen gestattet. Am Fastnachtsmontag Morgen freien Zutritt zum Fr\u00fchschoppen Konzert, ausgef\u00fchrt von der hiesigen Musikkapelle mit neuem Programm. Am Dienstag freie Fahrt zum Wettrennen nach Unteruhldingen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Darum nur nicht peinlich,<br \/>\nDenn es ist so kleinlich;<br \/>\nWenn bei gro\u00dfem Geprasse<br \/>\nRecht mager ist die Kasse<br \/>\nUnd sind die Steuern gro\u00df<br \/>\nVerzage nicht an deinem Los.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Fastnachtsverlauf anno 1922<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit H\u00e4hne kr\u00e4hen, Gai\u00dfen gem\u00e4cker und Kuhgebr\u00fcll bekam der diesj\u00e4hrige schmutzige Donnerstag fr\u00fch morgens seine Weihe. Narrenvater = und Mutter r\u00fcsteten sich zu einer Rundfahrt durch die hiesige Stadt; welche auch p\u00fcnktlich 9,53 seinen Anfang nahm. Begleitet durch die beiden Narrent\u00f6chter im herrlich geschm\u00fcckten Blumenwagen ging sie Fahrt vom n\u00f6rdlichen Rand des Narrenplatzes \u00fcber dessen s\u00fcdlichen Rand durch die Unterstadt, Rei\u00dfm\u00fchle, zum Magistrat weiter durch die Immengasse nach dem Hotel Bauer, um wieder am Ausgangspunkt gl\u00fccklich zu landen. Bei der oben erw\u00e4hnten Fahrt haben sich besonders hervorgetan die Vorreiter, Vermessungskolonnen, Nachtw\u00e4chter, Luftschiffer und Taucher die mit heroischem Wagemut ihre schwere Aufgabe zu l\u00f6sen verstanden hatten. Anfangs war geplant den k\u00fcrzesten Weg zur Narrenstadt einzuschlagen und zwar \u00fcber den Nordpol \u2013 Rote Meer und Fuchstobel der aber durch eine Unmenge Eisb\u00e4ren, Krokodile und F\u00fcchse verrammelt war und somit mit einer Versp\u00e4tung von 11 Minuten 11 1\/11 Sekunde mit der Aufstellung des Narrenbaumes begonnen werden konnte.<br \/>\nDie Aufstellung selbst vollzog sich unter strenger Weisung und Aufsicht der hochwohll\u00f6blichen Narreneltern. Es begann der Festakt durch eine tiefgreifende Rede des Narrenvaters und des Ratsvorstandes deren Niederschrift aus unbekannten Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich war, in Zukunft aber durch einige Dutzend Stenographen bzw. Photographen festgehalten werden soll. Den Schlu\u00df der Weihe<br \/>\nkr\u00f6nte ein Rundgesang des Elferrats. Hierauf begann die r\u00fccksichtslose Beraubung des in schwindelnder H\u00f6he grangenden Gipfel des Narrenbaumes durch die Jungnarrenschaft. Im Glanze von Mond \u2013 und Sternegesichter verkroch sich das allverehrte Narrenpublikum in ihre Schlupfwinkel, und lie\u00df den Narrenbaum bis Montagmittag seine wohlverdiente Ruhe angedeihen. Desselben Mittags kam hoher Besuch aus der nachbarlichen Kur \u2013 und Hafenstadt Unteruhldingen um gemeinsam<br \/>\nmit diesen, am unteren dicken Ende des Narrenbaumes von neuem der Narrheit zu w\u00fcrdigen.<br \/>\nAm Aschermittwoch wurde durch ein gr\u00f6\u00dferes mit \u00c4xte, Pickel, Schaufel und Hacke bewaffnetes Aufgebot zum abbrechen der Fastnacht von seiner Hoheit dem Prinzen Karneval kommandiert, so da\u00df nach erfolgten Falle des Baumes eine herzzerrei\u00dfende Trauerfeier einsetzte mit Nachgefolgtem Stockfischwalser. Der Narrenbaum wurde laut allerh\u00f6chsten Beschlu\u00df des Elferrates an den<br \/>\nMeistbietenden verkauft deren Versteigerungsbedingungen folgende waren:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 I.<br \/>\nDie Versteigerung findet bestimmt statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 II.<br \/>\nJeder Steigerer hat eine Kaution zu stellen ebenfalls ein Verm\u00f6genszeugnis,<br \/>\nGeburtsschein \u00fcber die Dauer der Ans\u00e4ssigkeit auf der Welt nebst Siegellack (im<br \/>\nHemd)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 III.<br \/>\nDer Zuschlag erfolgt an den Meistbietenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 IV.<br \/>\nWegen Preistreiberei darf nicht \u00fcber 5000 Mark gesteigert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 V.<br \/>\nNach der Ratifikation ist der Baum Eigentum des Steigerers auf eigene Rechnung und Gefahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 VI.<br \/>\nDer Narrenbaum mu\u00df bis zum n\u00e4chstj\u00e4hrigen schmutzigen Dunstig abgef\u00fchrt sein andernfalls er nochmals versteigert wird und deren Erl\u00f6s der Narrenkasse zuflie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 VII.<br \/>\nDem Besitzer wird die Verpflichtung gemacht von diesem Holz keine Streichh\u00f6lzer und Parkettb\u00f6den zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 VIII.<br \/>\nDem Steigerer wird die Erlaubnis gegeben dieser Baum der Gemeinde zu schenken, damit ein elektr. Mast beim Denkmal angebracht werden kann<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 IX.<br \/>\nDie Zahlung ist sofort in Bar nicht in Scheck oder Wechsel zu bezahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 X .<br \/>\nDer Steigerer hat vor der Ratifikation 2 zahlungsf\u00e4hige B\u00fcrgen namhaft zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a7\u00a7 XI.<br \/>\nDer Steigerer hat anzugeben Vor \u2013 und Zunahme , Stand, Religion, ledig oder verheiratet im letzteren Fall Angabe der Zahl der Kinder nebst Alter und Gewicht und des Bildungsgrades.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Narrenbaum wurde genau nach obigen Paragraphen verkauft um die Summe von 150 Mark 04. In Worten \u2013 Einhundertf\u00fcnfzig Mark 04 Pfennig.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie in der Fastnacht 1922 war es f\u00fcr klein und gro\u00df; Noch nie so n\u00e4rrisch, lustig und famos.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">K.Harnest<br \/>\nOberuhldingen, den Narrenmonat 1922 .<br \/>\nDer Elferrat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle die hier unterzeichnen, haben freien Zutritt zum Umzug und Aufstellung des Narrenbaumes am schmutzigen Dunschtig im Zentrum hiesiger Stadt um 4 Uhr mit Musik und bengalischer Beleuchtung. P\u00fcnktlich von 17 Uhr 1 Minute ab der neuen verkehrten Welt, findet das klettern des Narrenbaumes und in Empfang nehmen der Gaben am Dolden statt. 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